Gütersloh. Kann ein Roman über einen Femizid, über eine Familie im Ausnahmezustand und über eine Gesellschaft, die dem strukturellen Kern von Gewalt noch immer ausweicht, auch ein Buch über das Weiterleben sein? Eine Geschichte voller Nähe, Trost und Hoffnung? Ja, wenn es von Jasmin Schreiber stammt. Der Bestsellerautorin („Marianengraben“) ist dieser Spagat mit ihrem jüngsten Roman „Da, wo ich Dich sehen kann“ gelungen. Auf Einladung des Gütersloher Clubs Soroptimist International (SI) wird sie sich und ihr Buch am Mittwoch, 6. Mai, 19.30 Uhr, in der Gütersloher Matthäuskirche, Auf der Haar, vorstellen. „Wir freuen uns sehr, dass wir Jasmin Schreiber für eine Lesung gewinnen konnten“, erklärt SI-Clubpräsidentin Prof. Dr. Andrea Kaimann. „Damit setzen wir unser vielschichtiges Engagement gegen Gewalt an Frauen fort.“ Der Erlös kommt der Frauenberatungsstelle in Gütersloh zugute.
Die Autorin erzählt die Geschichte aus mehreren Perspektiven. Unter anderem aus der der neunjährigen Maja. Sie wächst in einer zerrütteten Familie auf. Ihr Vater ist ein gewalttätiger Tyrann, ihre Mutter liebevoll und unterwürfig. Dazwischen herrscht viel Schweigen. Und es gibt Geschehnisse, die Maja nicht einordnen kann - bis der Vater die Mutter tötet. Für das Kind, aber auch für alle anderen, die zurückbleiben, ist von einem Moment auf den anderen nichts mehr, wie es war. Zwischen Trauer, Sorgerechtsstreit und Bürokratie wird Maja zum Spielball und verliert inmitten von Anträgen und Zuständigkeiten ihre Familie, ihr Zuhause und jegliches Gefühl von Sicherheit. Einziger Lichtblick in dieser Dunkelheit ist Ihre Patentante Liv. Die Astrophysikerin, die mit ihren eigenen Unsicherheiten ringt und sich von der plötzlichen Verantwortung für ein Kind überfordert fühlt, begeistert Maja für die Wunder des Universums. Und beim Blick durchs Teleskop und dem Versuch, im endlosen Weltraum Antworten zu finden, die ihnen niemand sonst geben kann, wachsen die beiden zusammen.
Jasmin Schreiber, die durch einen realen Fall in ihrer Hamburger Nachbarschaft zu diesem Roman inspiriert wurde, nimmt sich des Themas „häusliche Gewalt und Femizid“ auf eigenwillige und eindringliche Art an - aber fern jeder typischen Täter-Opfer-Beziehung. Ihr geht es darum zu zeigen, was solch eine Tat mit den Hinterbliebenen macht. Sie fächert (Schuld-)Gefühle auf und hinterfragt patriarchalische Strukturen als toxische Grundlagen für Femizide. Was den Roman angesichts der erschreckenden Zahlen, dass in Deutschland fast täglich eine Frau getötet wird und alle drei Minuten eine Frau Opfer von häuslicher Gewalt wird, zu einem der wichtigsten und bedeutendsten Bücher der letzten Jahre macht.
Karten (18 Euro) für die Lesung gibt es ab sofort per Mail an: foerderverein-si-gt[at]web.de. Resttickets sind an der Abendkasse erhältlich.