Intensiver Abend mit Erfolgsautorin Jasmin Schreiber
Geradeheraus, eloquent, empathisch und treffsicher: In der gut besuchten Matthäus-Kirche erlebte ein gebanntes, von SI-Club-Präsidentin Dr. Andrea Kaimann begrüßtes Publikum vor kurzem Erfolgsautorin Jasmin Schreiber. Auf Einladung der Gütersloher Soroptimistinnen stellte sie ihr neues Buch "Da, wo ich dich sehen kann" vor. Ein unter die Haut gehender Roman über einen Femizid - aber ohne den üblichen, effekthascherischen Opfer-Täter-Crime.
Der Erlös der Veranstaltung kam der Frauenberatungsstelle Gütersloh zugute. Deren Teammitglieder Miriam Kötter und Marielle Kulzer gaben eingangs einen kurzen Einblick in ihr breites Arbeitsfeld, in dem Gewalt gegen Frauen in jedweder Form Alltag ist. Jasmin Schreiber nahm den Faden auf und die Zuhörer mit in einen ganz eigenen Kosmos. Feinfühlig blätterte sie auf, was ein Femizid, solch eine unfassbare Tat mit den Hinterbliebenen macht, vor allem mit der neunjährigen Tochter. Schuld und Scham brechen sich im Umfeld Bahn. Jeder fragt sich: Hätte ich es kommen sehen müssen? Hätte ich etwas dagegen tun können?
So unorthodox wie die studierte Biologin, Wissenschaftsjournalistin und Schriftstellerin ihre Erzählungen gestaltet, so unkonventionell ging sie auch den Abend an. Im Gespräch mit SI-Clubmitglied Doris Pieper, gab sie Einblicke in die Entstehung des Romans, ihre Fassungslosigkeit und Wut, die sich bei den Recherchen zum Thema Femizid einstellten, in die Entwicklung der Charaktere, die Resonanz auf das Buch. Und wie die Arbeit daran auf sie selbst gewirkt hat. Aber vor allem machte sie deutlich, welche patriarchalischen Denkweisen und gesellschaftlichen Strukturen Femizide mittlerweile fast alltäglich werden lassen. Und auch mit dem Kulturbetrieb, der in Film und Fernsehen, in Musik und Literatur, Frauenmorde zum Erzählmotor degradiert, rechnete sie ab - ehe sie sich in die Diskussion mit ihrem Publikum begab – und selbst am Ende der Veranstaltung, beim Signieren, bereitwillig den Schlange stehenden Bücherfans Rede und Antwort stand. Eine taffe Frau, ein starker Abend.