Seit 35 Jahren sind die Frauenberatungsstelle und die Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt in Gütersloh für Frauen und Mädchen in Krisensituationen und Notlagen als kompetente Ansprechpartnerinnen eine wichtige Adresse. Zudem sind sie als Begleiterinnen von Betroffenen bei deren Gestaltung eines eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Lebenswegs umfassend und engagiert aktiv.
Wie vielseitig und herausfordernd diese Arbeit ist, davon konnten sich die Gütersloher Soroptimistinnen jetzt bei einem Besuch in den Räumlichkeiten an der Münsterstraße 17 überzeugen, als sie einer Einladung der Frauenberatungsstelle folgten und ihren Clubabend dort veranstalteten. Zwei aus dem fünfköpfigen Fachfrauen-Teams - Karen Neumeyer, Diplom-Sozialarbeiterin, systemische Beraterin, integrative Sozial- und Körpertherapeutin, sowie Marielle Kulzer, Sozialarbeiterin, Erziehungswissenschaftlerin und systemische Beraterin, - begrüßten die Soroptimistinnen und gaben einen spannenden, informativen, interaktiven und auch motivierenden Einblick in ihren Alltag – wofür es viel Applaus gab.
Allein im vergangenen Jahr wandten sich 700 Frauen an die Beratungsstelle, wurden 1900 Gespräche geführt. Die Zahl der Hilfesuchenden ist damit im Vergleich zur Vor-Corona-Ära um 50 Prozent gestiegen – was die starke Belastung von Frauen durch häusliche Gewalt offenbart. Das spiegelt sich auch im Bundesdurchschnitt wider: Danach wird mittlerweile jede dritte Frau Opfer häuslicher Gewalt. 2/3 von ihnen machen dabei traumatische Erfahrungen und leiden nachhaltig unter den Folgen. Aber laut Statistik haben nur 6 von 20 den Mut, sich helfen zu lassen. Was die Dunkelziffer hinter den 700 Frauen, die sich allein 2024 in der Gütersloher Beratungsstelle gemeldet haben, entsprechend hochschnellen lässt. Und noch eine bittere Zahl: Nur 15 Prozent der von Gewalt betroffenen Frauen zeigen ihren gewalttätigen Partner tatsächlich an.
Die Gründe dafür sind vielfältig und individuell, wie Neumeyer und Kulzer - selbstverständlich anonymisiert - anhand diverser Fallbeispiele aufschlussreich erläuterten und dabei die gut funktionierende Zusammenarbeit mit der Polizei und dem Frauenhaus, den Opferschutzbeauftragten des Kreises, dem Weißen Ring, mit dem Jugend- und Sozialamt sowie mit Rechtsberaterinnen ebenso offenbarten wie ihr strukturelles Vorgehen.
Zunächst müssen danach die traumatisierten Frauen, die zu ihnen kommen, stabilisiert und deren eigene Kraftquellen wiederentdeckt und mobilisiert werden. In der zweiten und dritten, der sogenannten Zweifel- und Entscheidungsphase, geht es darum, ihnen die Schuldgefühle zu nehmen, sie gegen Einschüchterungen zu wappnen, ihnen alle rechtlichen und sozialen Informationen zu geben, damit sie für sich und auch für ihre Kinder wieder Sicherheit gewinnen. Sollte sich die Frau zu einer Anzeige entschließen, findet durch die Beratungsstelle eine Prozessbegleitung statt. Phase fünf widmet sich der Selbstbestimmung. Fragen wie „Wie geht es weiter? Wird eine noch eine Therapie benötigt? Welche Hilfen sind zur Alltagsbewältigung notwendig“ werden geklärt. Alles angepasst an den individuellen Bedarf der Frau.
Nach diesem aufschlussreichen Input wurde angeregt diskutiert – nicht zuletzt über das Finanzierungsmodell der vom Verein „Frauen für Frauen“ getragenen Frauenberatungsstelle. 85 Prozent der Kosten können durch Landesmittel gestemmt werden. Hinzu kommt ein Zuschuss vom Kreis Gütersloh. Trotzdem ist die Beratungsstelle bei ihrem breitgefächerten Angebot, zu dem auch Präventionsangebote u. a. in Schulen oder zu Themen wie digitale Gewalt oder sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Selbsthilfegruppen und Veranstaltungen wie das offene Frauenfrühstück gehören, auf Unterstützung, also auf Spenden angewiesen. Wer dazu beitragen möchte, Mädchen und Frauen ein Leben ohne Gewalt zu ermöglichen, kann dies über eine Zuwendung auf das Konto des „Fördervereins Frauen für Frauen“, Sparkasse Gütersloh-Rietberg, IBAN: DE13 4785 0065 0007 0013 58, tun. Weitere Infos unter www.frauenberatung-fachstelle-guetersloh.de oder unter www.frauen4frauen.de