155 Paar orangefarbene Schuhe, die sich am Samstag ihren Weg durch die gut besuchte Gütersloher Fußgängerzone gebahnt haben. 155 unübersehbare Symbole für ebenso viel begangene Femizide im Jahr 2023. Die Mahnaktion der Gütersloher Soroptimistinnen anlässlich der Orange Days war ein voller Erfolg. Sie hat für Aufsehen gesorgt und zu vielen auf- und erklärenden Gesprächen geführt.
Die Mitglieder des SI-Clubs und ihre Netzwerkpartnerinnen - die Teams vom Frauenhaus und von der Frauenberatungsstelle, von den Gleichstellungsstellen des Kreises, Vertreterinnen der demokratischen Parteien, von Inner Wheel und Lions Marswidis sowie von einer unabhängigen überparteilichen türkischen Frauengruppe - informierten die Passanten über die Hintergründe dieser Aktion. Sie lieferten nicht nur Daten, Fakten und Beratungsangebote rund um das Thema häusliche Gewalt. Der Fokus der Aktiven lag diesmal auf der extremsten Form von Gewalt an Frauen: dem sogenannten Femizid, der Ermordung einer Frau durch den (Ex-)Partner - nur weil sie eine Frau ist.
Initialzündungen für solch eine Tat sind männliche Besitz-, Dominanz- und/oder Kontrollansprüche. Fallstudien belegten, Morde an Frauen sind keine emotionalen Affekthandlungen, keine Privatsache und keine tragischen Einzelfälle, sondern längst ein gesamtgesellschaftliches Problem, das ein verstärktes Hingucken auf frühe Anzeichen eskalierender Gewalt und engagiertes Handeln aller erfordert. Es bedarf einer verstärkten Bewusstseinsbildung für die Wirkungsmechanismen geschlechtsbezogener Gewalt, die mit sexistischer Diskriminierung, geschlechtsbezogenen Rollenbildern und dumpfen Stereotypen beginnt. Sie müssen frühzeitig in allen gesellschaftlichen Bereichen bekämpft werden. Denn sie sind die Ursache tief verwurzelter, systematischer und struktureller Machtverhältnisse, die die Frau abwerten und zum Opfer werden lassen. Und auch die Tatsache, dass es den Tatbestand "Femizid" bislang im deutschen Strafrecht nicht gibt, wurde an den Infoständen immer wieder erläutert. Denn das hat zur Folge, dass solch ein Verbrechen meist als Totschlag und nicht als Mord behandelt und beurteilt wird - was mit niedrigeren Haftstrafen für die Täter einhergeht.
Wie wichtig und brandaktuell dieses Thema ist, sollte sich auf beklemmende Weise noch am Tag der Mahnaktion zeigen: Mit der nachmittags publizierten Polizeimeldung über eine 46-jährige Rheda-Wiedenbrückerin, die am Freitag nach einem Ehestreit von ihrem Mann erwürgt worden ist. Er sitzt in U-Haft - wegen Totschlags.
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